„Die Auszubildenden sind unsere Zukunft“


Andrea Schmidt-Rumposch bleibt der Universitätsmedizin Essen als Pflegedirektorin erhalten. Warum sie zur Sicherstellung der pflegerischen Versorgung vor allem auf die eigenen Talente setzt, verrät sie im Interview.

Foto: UME

Das Interview führte: Lutz Zimmermann

Für weitere fünf Jahre bleiben Sie Pflegedirektorin der UME. Themen gibt es wahrscheinlich für die nächsten 50 Jahre. Für welches brennen Sie besonders?

Ja, es gibt viel zu tun, und die meisten Themen bedingen sich gegenseitig. Im Zentrum steht dabei Patientenzen­trierung. Mir ist wichtig, dass wir den Klinikalltag immer mit Blick auf die Patientinnen und Patienten ausrichten.

Was sind die geeigneten Mittel dazu?

Einerseits der Einsatz von Expertenstandards, Leitlinien oder das Monitoren von Qualitätsindikatoren wie Stürzen oder Delir. Andererseits braucht es den richtigen Qualifikationsmix auf den Stationen, also Pflegefachpersonen mit verschiedenen Kompetenzniveaus und unterschiedlichen Aufgabenbereichen.

Dabei wächst die Bedeutung von akademisch qualifiziertem Pflegepersonal.

Ja. Deshalb haben wir 2018 unseren Pflegeexperten- und Advanced Practice Nurse-Einsatz (APN) nach internationalem Vorbild neu konzipiert. Dabei haben wir genau analysiert, in welchen Bereichen Pflegefachpersonen mit akademischer Qualifikation einen echten Mehrwert bieten können. In der Onkologie zum Beispiel gibt es häufig komplexe Versorgungssituationen. Das Symptom-, Schmerz- oder Wundmanagement ist hier sehr spezifisch. Zudem müssen Patienten und Angehörige oft zu Hilfsmitteln oder Hygienefragen angeleitet werden.

Wo gibt es sonst noch solche Bedarfe?

Aktuell haben wir in über zwanzig Bereichen Pflegeexpertinnen und -experten sowie APNs im Einsatz. Und wir werden das kontinuierlich ausweiten. Erweiterte Pflegepraxis bei hochkomplexen Versorgungssituationen soll zur Normalität werden.

Kann man denn auch messen, dass damit die Qualität der Pflege steigt?

Auf jeden Fall. Beispielsweise sind unsere Zahlen an Druckgeschwüren und Stürzen dadurch deutlich gesunken.

Was haben Sie sich außerdem für die nächsten fünf Jahre vorgenommen?

Wir wollen die Exzellenz in der pflegerischen Versorgung weiter ausbauen. Und dazu benötigen wir dringend Versorgungsforschung, auch in der Pflegewissenschaft. Erfreulicherweise konnten wir seit 2020 rund zwei Millionen Euro Fördergelder für pflegewissenschaftliche Forschung einwerben. Ein Team Entwicklung und Forschung Pflege wurde dazu direkt innerhalb der Pflegedirektion verankert. Außerdem konnten wir gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen einen primärqualifizierenden dualen Studiengang „Bachelor of Nursing“ auf den Weg bringen.

„Wir wollen die Exzellenz in der pflegerischen Versorgung weiter ausbauen.“

Andrea Schmidt-Rumposch

Was gibt es Neues aus der Forschung?

Interessant ist zum Beispiel das Projekt KIADEKU, in dem eine Applikation zur digitalen Bildanalyse von Wunden getestet wird. Pflegefachpersonen können damit ähnlich aussehende Wundarten besser unterscheiden und so besser individuell versorgen. Ein weiteres Projekt ist DigiCare. Hier geht es darum, das Selbst- und Symptommanagement von Krebspatienten zu verbessern, indem sie besser mit allen an ihrer Therapie beteiligten Versorgern vernetzt werden. Diese Projekte zeigen: Für Forschung benötigen wir Daten. Deshalb liegt mir auch das Thema Digitalisierung sehr am Herzen.

Digitalisierung kann die Pflege entlasten. Aber reicht das, um das Problem des Fachkräftemangels zu lösen?

Der Fachkräftemangel stellt uns vor große Herausforderungen. Derzeit ist unsere Personallage am Universitätsklinikum Essen durchaus erfreulich. Dazu trägt sicher unser Fokus auf die eigene Ausbildung bei. Es klingt klischeehaft, aber es stimmt: Die Auszubildenden sind unsere Zukunft. Deshalb wollen wir die Ausbildung stetig verbessern. Wir haben zum Beispiel bereits seit 2022 interprofessionelle Ausbildungsstationen etabliert, in denen Pflege-Auszubildende und Medizinstudierende selbstständig, aber natürlich unter Anleitung, eine Station führen.

Und wenn doch irgendwann zu wenig Pflegende da sind, macht’s die KI?

KI als Ersatz für die direkte Versorgung von Mensch zu Mensch? Sicher nicht. Aber sie kann helfen, Pflegefachpersonen unter anderem in Logistik und Administration zu unterstützen. Auch das bestmöglich zu gestalten, wird eine wichtige Aufgabe für die nächsten Jahre.


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