Wie verändert Virtual Reality die Medizin?


Virtual Reality entführt Menschen in andere Welten. Das kann auch im Klinikalltag helfen, weiß man im Zentrum für virtuelle und erweiterte Realität in der Medizin.

Text: Lutz Zimmermann

Fotos: UME

Nach Wochen im Krankenbett wird die Sehnsucht nach den einfachen, schönen Dingen immer größer: mal wieder durch einen sonnigen Wald spazieren und die Vögel zwitschern hören, zum Beispiel. „Das können jetzt sogar Patientinnen und Patienten auf der Intensivstation, ohne ihr Bett zu verlassen“, erzählt Aleyna Selin Keskin. Alles, was es dazu braucht, ist eine VR-Brille.

Aleyna Selin Keskin und Josephine Schroer sind zwei Gesundheits- und Krankenpflegerinnen, die im Rahmen des XR Advanced Nurses Programms untersuchen, wie Virtual Reality das Wohlbefinden von Patientinnen und Patienten verbessern kann. Schroer: „Wir kennen es ja aus dem Pflegealltag: Wir sehen einem Patienten an, wenn er Angst hat und Zuwendung oder Ablenkung benötigt. Mit der VR-Brille kann er komplett aus dem Krankenhausalltag ausbrechen.“

Wer solch eine Brille aufsetzt, sieht sich nicht nur im dreidimensionalen Raum, sondern kann sich auch darin bewegen. „Man muss es einfach erlebt haben“, sagt Dr. Oliver Basu, der VR in der Kinderklinik bereits seit neun Jahren einsetzt. Basu ist Vorsitzender des Leitungsgremiums des 2023 gegründeten Zentrums für virtuelle und erweiterte Realität in der Medizin (ZvRM), das das Programm durchführt. Er sieht verschiedenste Anwendungsmöglichkeiten: medizinische, patientenorientierte oder ausbildungsunterstützende.

Vom Stimmungsaufheller bis zum Schmerzstiller

Im aktuellen Projekt geht es vor allem um die patientenorientierte Anwendung. „Mit VR können Spaß und Therapietreue bei Bewegungsübungen verbessert werden“, berichtet Pflegefachfrau Keskin. „Anderen Patienten, die sich immer weiter zurückziehen, kann es ein wertvoller Stimmungsaufheller sein, der zum Beispiel von Schmerz oder Angst ablenkt.“ Das von der Stiftung Universitätsmedizin finanzierte Programm wird es zeigen.

Keskin und Schroer sind jeden Tag auf dem Campus unterwegs und gehen von Station zu Station. Die Resonanz: „Die meisten sind interessiert, manche begeistert, einige wenige skeptisch.“ Das Interesse werde sicher wachsen, wenn Pflegende und ärztliches Personal sehen, dass der Einsatz von VR ihren Arbeitsalltag entlasten kann. Keskin: „Pflegefachpersonen gewinnen Zeit und können den Patientinnen und Patienten schöne, emotionale Erlebnisse verschaffen.“

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Angebote für Angehörige

Die Ambulanz der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der LVR-Universitätsklinik Essen bietet Angehörigen von schwerkranken Menschen psychologische Beratungsangebote an. Mehr Informationen erhalten Sie über das Ambulanzsekretariat unter: 0201 - 438 755 100


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