„Positive Erwartung bewirkt viel“


Wie gelingt das Gespräch mit Ärztinnen und Ärzten besser? Dr. Lorenz Peters erklärt, wie Patientinnen und Patienten sich gut vorbereiten und mit Vertrauen zu einer besseren Behandlung beitragen.

Fotos: UME, Illustrationen: Adobe Stock

Das Interview führte: Lothar Schmidt

Dr. Lorenz Peters ist Neurologe am Institut für Didaktik in der Medizin an der Universitätsmedizin Essen und Spezialist für kommunikative Behandlungserwartungen.

Nicht immer verlaufen Gespräche zwischen Ärzten und Patienten optimal. Wie können Patienten zu einer guten Kommunikation beitragen?

Lassen Sie mich mit einer Grundvoraussetzung beginnen: Patienten sollten sich bewusst sein, dass eine positive Erwartungshaltung gegenüber der Behandlung viel bewirken kann. Vor allem dann, wenn die Erwartung zielgerichtet ist. Mit dieser Einstellung sollte man in ein Gespräch gehen.

Haben optimistische Patienten bessere Heilungschancen?

Das ist durch Studien gut belegt. Unser Körper kann vieles selbst. Er verfügt gewissermaßen über eine körpereigene Apotheke, die die Wirksamkeit einer Therapie beeinflussen kann. Natürlich ist das je nach Erkrankung unterschiedlich ausgeprägt.

Wie aktiviert man seine körpereigene Apotheke?

Zum Beispiel indem sich Patienten möglichst konkrete Ziele setzen. Eine Herzpatientin könnte sich fragen: Was möchte ich tun, wenn mein Herz wieder so funktioniert, wie es soll? Und sich dann sagen: Ich möchte wieder meine Rosen im Garten schneiden können.

Wo stoßen diese Erwartungseffekte an ihre Grenzen?

Die positive Erwartung ersetzt keine Therapie, sie ergänzt sie – und die Ziele müssen auch realistisch sein. Mit positiven Erwartungen allein lässt sich kein Krebs heilen. Aber Schmerzen können zum Beispiel deutlich gelindert werden. Die Wirkung eines Schmerzmittels kann durch eine positive Erwartungshaltung verdoppelt werden. Umgekehrt gilt: Wenn man sich viele Sorgen macht, beispielsweise über mögliche Nebenwirkungen eines Medikaments, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass solche negativen Effekte tatsächlich auftreten.

Soll man also besser keine Beipackzettel lesen und sich nicht im Internet über Krankheiten und Behandlungsformen informieren?

Da muss man differenzieren. Man sollte sich durchaus informieren, aber bei der Auswahl der Quellen vorsichtig sein. Wir wissen, dass im Internet vieles zugespitzt oder übertrieben dargestellt wird. Wenn wir zu viele negative Nachrichten lesen oder hören, etwa über eine bestimmte Therapie, kann das dazu führen, dass wir sie tatsächlich schlechter vertragen.

Was bedeutet das konkret für Gespräche zwischen Medizinern und Patientinnen und Patienten?

Beide Seiten sollten versuchen, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Eine solche Beziehung schafft den Rahmen, in dem alle Fragen gestellt werden können, die einen beschäftigen, und in dem man verständlich informiert wird. Ich weiß, dass das nicht immer möglich ist – etwa, wenn man einen Spezialisten nur ein- oder zweimal sieht. Trotzdem ist es wichtig, auch in einem kurzen Gespräch Vertrauen in die Behandlung zu gewinnen, egal ob sie medikamentös oder operativ ist.

Wie bereite ich mich als Patient am besten auf ein Gespräch mit dem Arzt vor?

Am besten notiert man sich vorher ein paar Stichpunkte. Denn während eines Termins gibt es oft vieles, das ablenkt oder verunsichert. Ich würde mir die folgende Frage stellen: Was erwarte ich von diesem Termin? Wenn es um Beschwerden geht, die nur gelegentlich auftreten – etwa wiederkehrende Kopfschmerzen –, sollte man diese über mehrere Tage oder Wochen notieren. Bringen Sie außerdem alle Unterlagen mit, die der Arzt benötigen könnte, zum Beispiel Laborbefunde oder Röntgenaufnahmen.

Wenn viele Fachbegriffe fallen, fühlen sich Patienten und Angehörige oft überfordert. Was können sie tun?

Patienten können eine verständliche Erklärung verlangen. Sie sollten sich trauen zu sagen: „Ich kenne diesen Begriff nicht. Können Sie ihn bitte einfacher erklären?“

Was kann man tun, wenn man das Gefühl hat, dass das ärztliche Personal nur mit halbem Ohr zuhört?

Wenn ich mir unsicher bin, ob mich mein Gegenüber verstanden hat, sollte ich direkt nachfragen: „Haben Sie mich richtig verstanden? Ich bin gerade in einer schwierigen Situation.“ Patienten sollten sich klarmachen, dass es im Gespräch entscheidend ist, dass beide Seiten einander gut verstehen. Nur so kann die richtige Behandlung sicher ausgewählt werden. Wenn der Arzt diese Gesprächsatmosphäre nicht herstellt, sollten Patienten selbst versuchen, sie einzufordern. Hier sind beide Seiten gefragt.

Sollten Menschen, die nicht gut Deutsch sprechen oder sich unsicher fühlen, in Begleitung eines Angehörigen zum Gespräch kommen?

Das ist oft eine gute Lösung – und nicht nur bei sprachlichen Hürden. Es gibt auch Patienten, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt sind, etwa durch eine Demenzerkrankung. Dann ist es sehr wichtig, dass eine weitere Person dabei ist, damit Fragen geklärt werden können und das Besprochene besser in Erinnerung bleibt.

Was raten Sie Patienten, die mit schlechten Nachrichten oder Schicksalsschlägen konfrontiert werden?

Wenn man als Patient ahnt, dass es um eine schwerwiegende Diagnose geht, kann es auch da helfen, den Partner, eine Angehörige oder einen Angehörigen mitzunehmen. Zum Glück sind Ärzte heute zunehmend darin geschult, wie sie schwierige Diagnosen vermitteln. In einem solchen Gespräch sollte man auch Ängste und Befürchtungen offen ansprechen – denn vielleicht hat man etwas missverstanden.


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