Prof. Rüdiger Zimmerer möchte in nur fünf Jahren die innovativste Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie im Ruhrgebiet aufbauen – komplett digital und eng vernetzt.

„Wir sind mit allen verbunden“

Prof. Rüdiger Zimmerer möchte in nur fünf Jahren die innovativste Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie im Ruhrgebiet aufbauen – komplett digital und eng vernetzt.

Text: Lothar Schmidt

Fotos: Jan Ladwig

Prof. Rüdiger Zimmerer leitet die Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie am St- Josef Krankenhaus Essen-Werden.

Was behandeln Sie in Ihrer Klinik?

Das komplette Spektrum der Mund-,Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG). Das beginnt bei der Traumatologie, also allen Brüchen im Bereich der Kiefer, der Augenhöhle, des Gesichts, teilweise auch des Schädels. Dazu kommen Kiefer-Fehlstellungen sowie angeborene Fehlbildungen wie Lippen-Kiefer-Gaumenspalten. Ein besonderer Schwerpunkt sind Kopf-Hals-Tumoren, wie Tumoren im Mund oder Kiefer. Die orbitale Chirurgie, also die Chirurgie rund um die Augenhöhle, ist eine besondere Stärke dieses Hauses, die schon mein Vorgänger und der leitende Oberarzt Dr. Roman Pförtner geprägt haben. Dazu kommt alles, was entzündlich ist, Abszesse zum Beispiel. Vereinfacht gesagt: Alles, was mit dem Knochen im Gesicht zu tun hat, kommt irgendwann zu uns.

Die MKG war lange an die Kliniken Essen-Mitte ausgelagert und kooperierte von dort mit der Universitätsmedizin Essen (UME). 2025 ist das Fach an die UME zurückgekehrt. Spüren das die Patienten?

Auf jeden Fall. Als Teil der UME sind wir näher am Geschehen und interdisziplinär enger vernetzt als vorher. Wir nutzen die gleichen Computer- und Röntgensysteme, sind virtuell mit allen verbunden.

Wo ist die Zusammenarbeit besonders eng?

An erster Stelle mit der Unfallchirurgie. Zwanzig Prozent aller Schwerverletzten haben Gesichtsschädelverletzungen, deshalb sind wir regelmäßig in den Schockräumen. Über das BG Klinikum Duisburg versorgen wir auch deren Traumatologie. Eng verbunden sind wir außerdem mit der Neurochirurgie, gerade bei Verletzungen und Tumoren im Übergangsbereich zwischen Gesicht und Schädel. Und natürlich mit der Hals-Nasen-Ohren-Medizin: Das Gebiet der Kopf-Hals-Tumoren teilen wir uns, wir haben eine gemeinsame Tumorkonferenz. Wenn es Richtung Kiefer und Zähne geht, ist das unser Feld.

Sie waren zuvor stellvertretender Direktor am Universitätsklinikum Tübingen. Was hat Sie nach Essen gezogen?

Vor allem die Bekanntheit der UME und das Westdeutsche Tumorzentrum (WTZ) Essen. Krebs ist hier ein Riesenthema, und diese Vernetzung ist für uns als kleineres operatives Fach enorm wertvoll. Wissenschaftlich habe ich mich immer mit Kopf-Hals-Tumoren beschäftigt, auch in meiner Habilitation. Für mich war wichtig: Es muss einen Tumorschwerpunkt geben, den man ausbauen kann. Dass wir nach nur zwei Monaten schon große Tumor-OPs machen und für Wochen ausgebucht sind, hatte ich erst in zwei, drei Jahren erwartet.

Der Schädel ist das Herzstück des Fachgebiets.

Zurück zu den Wurzeln

Das Universitätsklinikum Essen hat bereits seit 1973 einen Lehrstuhl für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Lange waren jedoch aus Platzgründen der stationäre, der ambulante und der OP-Betrieb an die Kliniken Essen-Mitte ausgelagert. 2025 kehrte die Fachklinik zurück an die UME, an den Standort St. Josef Krankenhaus Essen-Werden.

Was behandeln Sie in Ihrer Klinik?

Das komplette Spektrum der Mund-,Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG). Das beginnt bei der Traumatologie, also allen Brüchen im Bereich der Kiefer, der Augenhöhle, des Gesichts, teilweise auch des Schädels. Dazu kommen Kiefer-Fehlstellungen sowie angeborene Fehlbildungen wie Lippen-Kiefer-Gaumenspalten. Ein besonderer Schwerpunkt sind Kopf-Hals-Tumoren, wie Tumoren im Mund oder Kiefer. Die orbitale Chirurgie, also die Chirurgie rund um die Augenhöhle, ist eine besondere Stärke dieses Hauses, die schon mein Vorgänger und der leitende Oberarzt Dr. Roman Pförtner geprägt haben. Dazu kommt alles, was entzündlich ist, Abszesse zum Beispiel. Vereinfacht gesagt: Alles, was mit dem Knochen im Gesicht zu tun hat, kommt irgendwann zu uns.

Die MKG war lange an die Kliniken Essen-Mitte ausgelagert und kooperierte von dort mit der Universitätsmedizin Essen (UME). 2025 ist das Fach an die UME zurückgekehrt. Spüren das die Patienten?

Auf jeden Fall. Als Teil der UME sind wir näher am Geschehen und interdisziplinär enger vernetzt als vorher. Wir nutzen die gleichen Computer- und Röntgensysteme, sind virtuell mit allen verbunden.

Wo ist die Zusammenarbeit besonders eng?

An erster Stelle mit der Unfallchirurgie. Zwanzig Prozent aller Schwerverletzten haben Gesichtsschädelverletzungen, deshalb sind wir regelmäßig in den Schockräumen. Über das BG Klinikum Duisburg versorgen wir auch deren Traumatologie. Eng verbunden sind wir außerdem mit der Neurochirurgie, gerade bei Verletzungen und Tumoren im Übergangsbereich zwischen Gesicht und Schädel. Und natürlich mit der Hals-Nasen-Ohren-Medizin: Das Gebiet der Kopf-Hals-Tumoren teilen wir uns, wir haben eine gemeinsame Tumorkonferenz. Wenn es Richtung Kiefer und Zähne geht, ist das unser Feld.

Sie waren zuvor stellvertretender Direktor am Universitätsklinikum Tübingen. Was hat Sie nach Essen gezogen?

Vor allem die Bekanntheit der UME und das Westdeutsche Tumorzentrum (WTZ) Essen. Krebs ist hier ein Riesenthema, und diese Vernetzung ist für uns als kleineres operatives Fach enorm wertvoll. Wissenschaftlich habe ich mich immer mit Kopf-Hals-Tumoren beschäftigt, auch in meiner Habilitation. Für mich war wichtig: Es muss einen Tumorschwerpunkt geben, den man ausbauen kann. Dass wir nach nur zwei Monaten schon große Tumor-OPs machen und für Wochen ausgebucht sind, hatte ich erst in zwei, drei Jahren erwartet.

Der Schädel ist das Herzstück des Fachgebiets.

Um den Kiefer wiederherzustellen, nutzt das OP-Team Gewebe aus dem Oberschenkel.

Sie setzen stark auf computerassistierte Chirurgie. Was bringt das?

3D-Planungen, komplizierte Teilentfernungen des Unterkiefers oder der Augenhöhle – dank der Technologie wissen wir genau, wo wir eingreifen, und kommen aus dem Gefahrenbereich von Nerven und Zahnwurzeln heraus. Das bedeutet kürzere OP-Zeiten, schnellere Entlassung, weniger Komplikationen. Bei der Wiederherstellung des Kiefers entnehmen wir Knochen aus Wadenbein, Schulterblatt oder Becken und bauen ihn neu auf. Das geschieht in einem Schritt. Und die Titanplatten, die wir verbauen müssen, sind im Idealfall schon so gefertigt, dass wir den geplanten Knochen nur noch anschrauben. Technisch funktioniert das hervorragend. Der Patient bleibt aber ein Mensch und die Biologie macht manchmal etwas anderes: Tumoren treten wieder auf, Situationen verändern sich. Damit muss man umgehen.

Wo wollen Sie in fünf Jahren stehen?

Ich habe mit der Geschäftsführung einen Fünf-Jahres-Plan aufgelegt. Ziel sind zwei volle OP-Säle täglich und zusätzlich ambulante Kapazität in Vollnarkose. An Technik kommt ein OP-Navigationssystem dazu, also ein computergestütztes Bildgebungswerkzeug, das uns während eines Eingriffs durch die Anatomie des Patienten leitet. Außerdem werden wir direkt in den OPs Röntgenbilder machen können. Im Sommer haben wir außerdem ein neues Endoskop und eine ICG-Kamera erhalten, mit der wir prüfen können, ob rekonstruiertes Gewebe durchblutet wird und lebt. Wir wollen komplett digital sein und ganz vorne mitspielen, was die rekonstruktive Chirurgie angeht. Bei den Zahlen sind wir schneller als geplant.

Was bedeutet das für die Menschen in der Region?

Im Ruhrgebiet gibt es viele gute Kliniken. Wir wollen jedoch ein Leuchtturm für die Stadt Essen und die Region werden. Vor allem für Kopf-Hals-Tumoren und die Rekonstruktion. Wir wollen die innovativste MKG-Chirurgie im Ruhrgebiet aufbauen. Dafür haben wir die Voraussetzungen, die OP- und Stationskapazitäten, die Unterstützung der Geschäftsführung und ein wirklich motiviertes Team, unabhängig davon, ob es Betten schiebt, Essen ausgibt oder sich um Geschäftsprozesse kümmert. Die Kolleginnen und Kollegen sind wissbegierig und bereit, Neues umzusetzen, damit die MKG-Chirurgie im 21. Jahrhundert ankommt. Deshalb macht es mir jeden Tag Freude, herzukommen.

Das Team wechselte 2025 fast komplett gemeinsam von den Kliniken Essen-Mitte ans St. Josef Krankenhaus Essen-Werden.

Sie setzen stark auf computerassistierte Chirurgie. Was bringt das?

3D-Planungen, komplizierte Teilentfernungen des Unterkiefers oder der Augenhöhle – dank der Technologie wissen wir genau, wo wir eingreifen, und kommen aus dem Gefahrenbereich von Nerven und Zahnwurzeln heraus. Das bedeutet kürzere OP-Zeiten, schnellere Entlassung, weniger Komplikationen. Bei der Wiederherstellung des Kiefers entnehmen wir Knochen aus Wadenbein, Schulterblatt oder Becken und bauen ihn neu auf. Das geschieht in einem Schritt. Und die Titanplatten, die wir verbauen müssen, sind im Idealfall schon so gefertigt, dass wir den geplanten Knochen nur noch anschrauben. Technisch funktioniert das hervorragend. Der Patient bleibt aber ein Mensch und die Biologie macht manchmal etwas anderes: Tumoren treten wieder auf, Situationen verändern sich. Damit muss man umgehen.

Wo wollen Sie in fünf Jahren stehen?

Ich habe mit der Geschäftsführung einen Fünf-Jahres-Plan aufgelegt. Ziel sind zwei volle OP-Säle täglich und zusätzlich ambulante Kapazität in Vollnarkose. An Technik kommt ein OP-Navigationssystem dazu, also ein computergestütztes Bildgebungswerkzeug, das uns während eines Eingriffs durch die Anatomie des Patienten leitet. Außerdem werden wir direkt in den OPs Röntgenbilder machen können. Im Sommer haben wir außerdem ein neues Endoskop und eine ICG-Kamera erhalten, mit der wir prüfen können, ob rekonstruiertes Gewebe durchblutet wird und lebt. Wir wollen komplett digital sein und ganz vorne mitspielen, was die rekonstruktive Chirurgie angeht. Bei den Zahlen sind wir schneller als geplant.

Was bedeutet das für die Menschen in der Region?

Im Ruhrgebiet gibt es viele gute Kliniken. Wir wollen jedoch ein Leuchtturm für die Stadt Essen und die Region werden. Vor allem für Kopf-Hals-Tumoren und die Rekonstruktion. Wir wollen die innovativste MKG-Chirurgie im Ruhrgebiet aufbauen. Dafür haben wir die Voraussetzungen, die OP- und Stationskapazitäten, die Unterstützung der Geschäftsführung und ein wirklich motiviertes Team, unabhängig davon, ob es Betten schiebt, Essen ausgibt oder sich um Geschäftsprozesse kümmert. Die Kolleginnen und Kollegen sind wissbegierig und bereit, Neues umzusetzen, damit die MKG-Chirurgie im 21. Jahrhundert ankommt. Deshalb macht es mir jeden Tag Freude, herzukommen.

Um den Kiefer wiederherzustellen, nutzt das OP-Team Gewebe aus dem Oberschenkel.

Das Team wechselte 2025 fast komplett gemeinsam von den Kliniken Essen-Mitte ans St. Josef Krankenhaus Essen-Werden.

Zurück zu den Wurzeln

Das Universitätsklinikum Essen hat bereits seit 1973 einen Lehrstuhl für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Lange waren jedoch aus Platzgründen der stationäre, der ambulante und der OP-Betrieb an die Kliniken Essen-Mitte ausgelagert. 2025 kehrte die Fachklinik zurück an die UME, an den Standort St. Josef Krankenhaus Essen-Werden.

Prof. Rüdiger Zimmerer leitet die Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie am St- Josef Krankenhaus Essen-Werden.


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